Die Gute-Mutti-Diversität

kidsoverthemoon

„Weisswein?“ flötet meine Freundin – hier heisst sie schlicht A – bei unserem spätnachmittäglichen Playdate bereits unter der Tür. Hmm, ja.. warum eigentlich nicht?

Die Kinder spielen, während wir uns bei einem Glas Chardonnay und ein paar Cashews unterhalten und nach dem strengen Tag das erwachsene Gegenüber geniessen.

Als die Zwerge allmählich ein bisschen rumquengeln, schiebt Freundin A im Wohnzimmer eine Kinder-DVD rein. Sie macht das oft und mir ist es heute einfach auch recht. Hauptsache, wir haben mal kurz Zeit für ein Gespräch.

Freundin A ist so locker drauf. Bei ihr ist alles supereasy. Sie ist selten gestresst. Die Kinder dürfen im Vergleich oft TV gucken, aber sie haben auch täglich ein Alternativprogramm.

Wir schmieren den Kindern ein paar Sofaschnitten, die sie genüsslich verspeisen, während sie sich von Aladdin und dem Wunder von 1001 Nacht bezirzen lassen. In der Küche ist die Weissweinflasche schon beinahe leer getrunken, alle Geschichten sind erzählt und unsere Bäuche sind lachsbrötchenvoll.

Adieu-Momente später schlendern wir glücklich und verpflegt heimwärts. Ich habe leicht einen sitzen, was mich die allabendliche „Ins-Bett-geh-Routine“ mit zwei Kleinkindern und einem Teenie-Boy ziemlich stressfrei schaukeln lässt und dies, obwohl ich heute das gesamte Prozedere alleine abspule, da mein Freund geschäftlich im Ausland ist.

Am nächsten Morgen treffe ich eine andere– hier kurz “Freundin B” genannt – mit ihren Kindern in der Stadt. Wir wollen gemeinsam durch den Gemüsemarkt schlendern. Als ich mit meinen Mädels am Reussufer ankomme, sitzt B bilderbucherzählend auf einer Parkbank. Beide Kinder auf ihrem Schoss. Zwischen ihnen kugelt sich ihr riesengrosser Babybauch. Sie hält eine Karotte mit Möhrengrün in der einen und ein Wimmelbuch in der anderen Hand. Ihre Jungs knabbern abwechslungsweise genüsslich vom Rüebli und lauschen zufrieden der Geschichte.

Meine Kinder jaulen derweil nach einem Schoggibrötli.

B hatte ein paar schlimme Nächte. Sie steht bei jedem „Pieps“ hellwach neben dem Bett ihrer Söhne. Die vorangeschrittene Schwangerschaft zerrt ebenso langsam an der Kraft. Aber B ist happy, sie steckt das weg und strahlt förmlich. An ihrem hausgemachten Detox-Tee nippend erzählt sie mir, dass sie gerade in Planung des neuen Kinderzimmers sei. Sie habe vor, die Möbel weitestgehend selbst zu bauen, ein kleines Baby-Montessori-Zimmer soll es werden.

Freundin B inspiriert mich ziemlich oft. Sie macht mir Mut, Dinge anzupacken und Ideen umzusetzen. Sie hat so viel Energie, mich ermutigt das jeweils geradezu.

Zwei meiner Freundinnen, die diverser gar nicht sein könnten. Beides sind sehr gute Mütter, im Übrigen.

Auf Veranstaltungen wie Kindertheater, Kinderlesungen und Kinderkonzerten und natürlich auch schlicht auf Spielplätzen – dort halt, wo man den vielen verschiedenen Mutti-Typen begegnet und sie auch sehr divers agieren sieht mit ihrer Brut, da mache ich mir darum viele Gedanken.

Ich frage mich dann jeweils, warum die eine nun dies so wichtig findet und nicht säb. Ich überlege mir, was wohl gerade passiert ist, dass diese Mutti nun nicht anders kann als so. Ich bin erstaunt, wie locker eine andere auf etwas scheinbar Gefährliches reagiert.

Ich finde diese Beobachtungen höchst interessant, es amüsiert mich manchmal geradezu. Immer im Wissen darum, dass all diese Mütter in erster Linie bestimmt gute Mütter sein wollen und dies zu einem sehr hohen Prozentsatz gewiss auch sind. Und natürlich darum, dass ich selbst auch ebendiesen Betrachtungen anderer ausgesetzt bin und mich hier und da für einige andere Mütter wohl sehr merkwürdig verhalte im Umgang mit meinen Kindern.

C und D; schon immer und noch ewig

Zurück zu meinen Mutti-Freudninnen: Da ist nämlich noch C. Sie ist eine meiner Liebsten. Studiert an der Uni Zürich Angewandte Psychologie und ist unter der Woche mit ihren zwei kleinen Kindern und dem Studium komplett allein, weil ihr Mann in Stuttgart arbeitet. Superengagiert den Kindern gegenüber und jederzeit bereit, ebendiesen alles in sehr ruhigem, sachlichen Ton zu erläutern. Die Grosse befindet sich definitiv mitten in ihren „Terrible-Twos“, was C aber nicht die Ruhe zu rauben scheint. Never.

Mit C kann ich philosophieren, stundenlang. Goldene Stunden sind das und rare natürlich ebenso. Von ihrer ruhigen, liebevollen Art würde ich mir hin und wieder gern einen Bissen abknabbern.

D hatte gerade ein Burnout, weil sie sich für die Familie und den Job so vollkommen verausgabte. Damit ist nun Schluss, sie hat ihren Job gekündigt und sagt, sie wähle von heute an sehr genau aus, für was sie künftig ihre Ressourcen einsetzt. Über den Adventskalender im letzten Dezember beispielsweise machte sie sich einen einzigen Gedanken und der lautete folgendermassen: „Ich kaufe einen Schoggikalender in der Migros. Punkt.“ Das schmutzige Pyjama wird nochmals angezogen, sieht ja niemand nachts. Diese pragmatische Art rettet sie derzeit, da bin ich mir sicher.

D ist wie C, eine meiner ältesten Freundinnen. Schon immer und noch ewig. Durch ihre Erkrankung habe ich viel gelernt und mache mir seither mein Leben ziemlich oft etwas einfacher, ganz ohne schlechtes Gewissen.

So sind sie, die Muttis. So divers. Und da draussen sind noch viele mehr und keine ist gleich wie die andere.

Die eine kauft im Bioladen grad Datteln im Wert von 37 Franken für ihren Zwerg. Liebevoll wird er draussen damit versorgt, damit er ja nicht verhungert, bis sie zuhause sind. Die andere schreit beim Becker ihre Kinder an, sie sollen mal eine Minute lang die Klappe halten, dann bekämen sie auch ihr Schoggibrötli. (Okay, das ist keine andere, das bin ich.)

Und während die eine Mutti sich aufopfernd selbst um ihre Kleinen kümmert und sogar deren Mobiliar selbst zusammenzimmert, arbeitet die andere Vollzeit, unterdessen ihre Tochter in der Kita verweilt. Schlechtes-Gewissen-sei-dank kauft sie dem Kind auf dem Nachhauseweg beim Kleiderschweden ein Glitzertütü und schiebt ihm daheim einen Kinderfilm in die Glotze. Und auch das ist im Grunde vollkommen okay.

Jede Mutti hat ihr Steckenpferdchen, jede ihr Unvermögen.

Wir haben alle eine sehr eigene Geschichte, welche auf den vielen kleinen und grossen Erfahrungen unseres bisherigen Lebens gründet. Der Rucksack, den wir selbst tragen, bedeutet uns so zu agieren, wie wir es eben dieser Tage mit unseren Kindern tun. Die Mamas, die ich so kenne, (auch ich selbst, by the way) sind sich dieses Umstandes durchaus bewusst und darüber glücklicherweise sehr geneigt, ihren alltäglichen Umgang mit den Kindern regelmässig zu hinterfragen.

Wir handeln und erziehen vielleicht sehr verschieden, aber der Grundgedanke, dass wir das Beste für unsere Kinder wollen nämlich, der leuchtet hell in all unseren Mamaherzen. Und das ist letztendlich, was zählt. Wir lieben unsere Kinder und wir tun, was wir können. Und das reicht auch völlig aus. High five!

2 Kommentare bei „Die Gute-Mutti-Diversität“

  1. So schön geschrieben 💚

    1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

      Das ist SO schön zu hören, vielen Dank!

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