Eine Reise nach Malaysia – Revue II

Wer das erste Revue gelesen hat, weiss, dass wir aktuell in Malaysia unterwegs sind und wie sehr wir unseren Reisemonat als Familie geniessen. Nach nunmehr drei Wochen gibt es ein bisschen aus dem malaysischen Nähkästchen zu plaudern.

Grausligschön ist es hier

Wenn man einmal vom ganzen Plastik absieht, der hier überall rumliegt, sind die Strände paradiesisch. Die Flora ist derart vielfältig, die Palmen wachsen in schwindelerregende Höhen. Aber auch hier: Plastik am Dschungelrand, der Graus! Die Fauna ist ein wahrgewordener Traum. Tiere, die man bestenfalls aus dem Zoo kennt, sieht man hier in natura. Wir haben viele Affen gesehen, Warane, ein Chamäleon, Geckos, eine Schlange und riesige Flughunde. Und während in der Schweiz per Radio-Notdurchsage verlautet werden würde, dass sich eine Ziege auf der Strasse befände, in der Folge ein Veterinärmediziner UND die Polizei ausrücken müssten, das gute Tier einzufangen – so weiden hier Schafe, Ziegen und Kühe frei an den Rändern stark befahrener Strassen und überquereren diese sogar in einer Selbstverständlichkeit, wie man sie nur hier antrifft.

Ausserdem gibt es hier atemberaubende Tauchspots und wenn man Glück hat, sieht man Rochen, Haie, einigermassen farbige Korallenriffe und Wasserschildkröten. Das südchinesische Meer gilt allerdings seit Jahrzehnten als überfischt. Kein Wunder, wenn ich an die Tonnen toter Fische denke, die wir auf dem Markt gesehen haben. Der Anblick der vielen toten Babyhaie liess mich schlicht erschaudern. Der aasige Fischgeruch brannte geradezu im Gesicht. Die kleinen, toten Fische, die auf dem Boden lagen und die herumstreunenden Katzendiebe, die deren Gedärme vom Boden leckten, collagieren das insgesamt merkwürdige Szenario ad absurdum.

Unsere malerische Erinnerung vom Luzerner- Fischmarkt, den wir oft Freitags besuchen, hätte nicht stärker von der Realität hier divergieren können.

Daheim in unserer wunderbaren Luzerner-Bubble holen wir uns mittags beim Becker ein Baguette, kaufen am Fischmarkt ein Tütchen mit Albeli und lunchieren daheim genüsslich ein paar Fischbrötchen. Hier aber hat uns die dreckige Wahrheit des Fischkonsums in die Augen geblickt. Am allermeisten aber hat mich die Tatsache erschreckt, wie VIEL Fisch aus dem Ozean gezogen wurde. Und die Frage, was sie mit der ganzen unverkauften Ware tun, die 5 Stunden unter der Sonne gelegen hat. Bekrabbelt von Abertausenden von Fliegen, die sich mit ihren sechs dreckigen Beinchen – mit denen sie grad eben noch in Katzenkacke standen – besteigen.

Und das war ja bloss EIN Besuch an EINEM Tag und in EINEM Fischerort. Aber so geht’s ja in JEDEM Fischerdorf an JEDEM einzelnen Tag des Jahres zu und her. Das traurige Fazit meiner Tauchgänge hier ist, dass die Fisch-Auslage am Frühstücksbuffet grösser ist als das Pendant in Lebendform unter Wasser.

The kids are alright!

Die Menschen in Sudöstasien sind natürlich generell supergastfreundlich. Sie begegnen Touristen offen , freundlich und enorm hilfsbereit. Das zufriedene Lächeln in ihren Gesichtern verrät uns, dass es glückliche Menschen sind. Den Kindern gegenüber sind sie besonders herzlich und manchmal fühlt es sich fast so an, als ob sich durch unsere Kinder da und dort ein Türchen öffnet für uns. Im Gegenzug haben die drei Zwerge schon für viele Wangenkniffe und Selfies mit den Einheimischen herhalten müssen.

Ich würde aber meinen, dass die Menschen an der Nordostküste Malaysias nicht die allerfreundlichsten in ganz Südostasien sind. Ihre konservative Einstellung zum Islam, die für Frauen strikt lange Bekleidung und ein Kopftuch voraussetzt, liessen sie mich zeitweise mit argwöhnischen Blicken spüren. Ich trug zwar immer lange Kleidung, aber ein Kopftuch natürlich nie. Das hat schon gereicht, um für manche Menschen – vor allem für Frauen – offenbar eine regelrechte Anmassung zu sein.

Unsere Ansprüche ans Essen liegen irgendwo zwischen Kuala Lumpur und Kota Bharu am Strassenrand begraben

Anstelle meines geliebten Morgenkaffees gibt’s hier eine braune, spülwasserähnliche Kloake und die Milch, wenn es denn überhaupt welche gibt, ist dickflüssig und gelb und stammt vermutlich von einem Gürteltier. Zum Frühstück gibt es Nudelsuppe oder Reis. Joghurt und eigentlich sämtliche westliche Frühstücksspeisen sucht man hier meist vergeblich.

Puncto essen mussten wir unsere Ansprüche irgendwo zwischen K.L.-City und Kota Bharu an einem Strassenrand begraben. Wir waren an Orten, wo sie auf dem schmutzigen Boden geschnibbelt und gekocht haben, direkt vor der Toilette. Gebratenen Reis oder gebratene Nudeln kriegen wir aber zum Glück überall. Wenn wir vegetarisch essen, was wir meist tun, fällt immerhin schon mal ein Grossteil unserer europäischen Gruselfurcht weg. Denn Fleisch und Fisch wird oft ungekühlt, ja regelrecht an der prallen Sonne gelagert und dient als fleischige Unterlage für Fliegensex.

Trinken tun wir oft stark gezuckerten Tee, gerne auf Eis. „Less sugar“ scheint hier keiner zu verstehen. Und mit „no sugar“ ist die Brühe ungeniessbar. Auch die kaffeeähnliche Kloake wird überzuckert auf Eis serviert. Alkoholmässig sitzen wir im muslimischen Malaysia natürlich auf dem Trockenen.

This is the south face baby! 

Plastikmüll liegt hier wie Eingangs erwähnt am Strassenrand und am Rand des Dschungels. Zumindest auf dem Festland. Die Inseln werden diesbezüglich offenbar wesentlich besser behandelt. Aber auch im Meer ist der Plastik, wir wissen es alle. Trotzdem ist es noch viel schrecklicher, das volle Ausmass live zu sehen. Die Menschen werfen ihren Abfall einfach in den Garten und verbrennen ihn einmal in der Woche hinterm Haus. Andere verzieren damit ihre Gärten und hängen Petflaschen und farbige Plastiksäcke an die Bäume und über die Sträucher. Für unser europäisches Auge echt ein demütigendes Schandmal an der sonst so wunderschönen Natur.

Wettertechnisch sind wir hier natürlich verwöhnt. Es ist meist sonnig und heiss. Die Luft ist derart von Feuchtigkeit und Inselglück geschwängert, dass man es zeitweise regelrecht über dem Dschungelwipfel schweben sehen kann. Und wenn es hier regnet, dann zersplittert der Himmel unter tosendem Donnergrummel in tausend Stücke und das Wasser prasselt nur so herab, lacht uns in unseren herzigen „The north face-Regenjäckchen“ aus und heult diabolisch „this is the south face baby!“.

Südostasien ist grundsätzlich ein ganz toller Fleck Erde, um mit Kindern zu reisen. Der Kontinent bietet viele wundervolle Länder und Inseln, die ziemlich easy zu bereisen sind. Ich kann erfahrungsmässig zwar nicht aus dem Vollen schöpfen, da ich bisher an wenigen Orten hier war. Aber mein Freund und Weltenbummler meint, es wäre in Südostasien fast überall kinderleicht, mit Kindern zu reisen. Vielleicht macht es nicht unbedingt Sinn, die entferntesten Winkel und die höchsten Berge zu erkunden, hält man sich allerdings an die einigermassen gut erschlossenen Orte, so steht einer Erkundungsfahrt mit euren Kindern nichts im Wege. Malaysia ist dabei im Vergleich ausserordentlich entwickelt. War für uns mit so kleinen Kindern ein wichtiges Kriterium.

Ein kleiner, feiner Tipp zum Abschluss

Die allertollsten Reiseführer EVER sind diejenigen von Stefan Loose! Fernab von “Lonely Planet”, “Marc O`Polo” und wie die alle heissen, geben sie einzigartige Einblicke in extraschöne Lokalunterkünfte und beschreiben eine wunderbare Auslese an Restaurants. Besonders den Loose-Tipps sind zu folgen, sie haben uns schlicht an die beeindruckendsten Orte der Welt gebracht.

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