Just another day

Wir achten sehr auf Bio-Qualitäten, in diversen Lebenslagen. Die Kinder essen Bio-Banane auf Bio-Nature-Joghurt. Sie trinken ausschliesslich Bio-Milch. Sie werden mit Weleda gebadet und eingeschmiert. Bio von innen und von aussen quasi.

Alles Bio. Alles gut.

Was für ein totaler Mumpitz das zuweilen ist, zeigt mir im Grunde immer mal wieder „just another day“ bei uns daheim. Neulich war ich gerade unter der Dusche, als Loulou angerannt kam und mörderisch jaulte, Emilia hätte des Bruders Ball kaputtgebissen und verspeise nun dessen Inhalt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Slime und Gummiball, irgendeine saublöde Spielerei. Entsetzt riss ich den Duschvorhang zur Seite und rannte klitschnass ins Kinderzimmer.

Als ich der Kleinen alle Kügelchen aus dem Mund entlockte und den Boden davon befreien hatte, musste ich mich hinsetzen. Auf den Kinderzimmerboden. Noch immer splitterfasernackt, eingeseift und bereits zum ersten Mal an diesem Tag ein bisschen fertig. Ob dem skurrilen Widerspruch von Bio-Banane zum Frühstück und des blauen Glibber-Toxikums zum Znüni fand ich aber meinen Humor wieder.

Gut zwei Stunden später an diesem Tag war ich in der Küche mit Gemüseschnibbeln beschäftigt, während meine Töchter spielten. Die Grosse streckte mir plötzlich ihren offenen Mund entgegen und zeigte mir, wie sie sich ein farbiges Bonbon auf der Zunge zergehen liess. Das farbige Bonbon war nichts Geringeres als eine Farbtablette aus dem Kosmos-Kristallzucht-Set meines Sohnes.

Einen hektischen Anruf beim Tox-Zentrum später hatte ich mich ob der freundlichen Frauenstimme am anderen Ende der Leitung einigermassen beruhigt. Bald war also die Sache vom Tisch und machte dem Zmittag Platz: ich servierte den Zwergen Reis, Zanderfilet und Randenschnitze. Natürlich flammte auch hier immer wieder der Gedanke an den bizarren Widersinn auf. Wir essen hier quasi Biozander auf Gifttablette. Fein.

Das dritte Schreckensbild an diesem Tag besuchte mich nur Momente später. Küche putzen stand auf dem Programm, als ich ein würgeähnliches Röchelgeräusch vernahm. Ich erblickte meine Tochter mit hochrotem Kopf, wie sie eine Filzschnur um den Hals gebunden hatte und sie offenbar selber nicht mehr lösen konnte. Vollkommen entgeistert rannte ich zu ihr, band in Windeseile die Schnur los und behütete mein Kind vor seinem Erstickungstod. Nullkommaplötzlich dachte ich natürlich daran, dass die Kleine der Grossen im Grunde jeden Mist nachmacht und fand sie Augenblicke später in einem anderen Raum aber in exakt derselben Lebenslage wider, aus der ich gerade ihre Schwester befreit hatte.

Nachdem ich auch die Kleine ihrer Filzschnur entledigt hatte, musste ich mich erneut hinsetzen. Wieder auf den Kinderzimmerboden. Diesmal angezogen aber dafür ein bisschen fertiger als noch frühmorgens.

Pädagogisch wertvolles Spielzeug – kennsch?

Filzschnüre sind cool, total vielfältig bespielbar. Einziger, winziger Nachteil: Man muss ein bisschen aufpassen, dass die Kinder ob des Spiels nicht ohne Sang und Klang über den Jordan reisen.

Natürlich war das ein besonders krasses Exemplar eines Schiefgehtages. Nicht alle Tage sind bei uns so toxisch. Aber im Grunde habe ich mir dennoch überlegt, was mir das Leben damit sagen möchte.

Abends sehr spät war das Tages-Fazit klar. Ich habe nun sehr bestechende Begründungen in der Hand, um vor meinem Mann eine Haushaltshilfe zu verargumentieren. Denn wenn ich zu viel Zeit mit dem Haushalt zubringe, sterben unsere Kinder gewiss eines sehr kreativen Todes.

 

 

 

 

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