Langstreckenflug mit Kindern – Ein Erfahrungsbericht

Tipps, sich gebührend auf die Reise mit Kindern vorzubereiten, haben wir Verreisenden vermutlich alle gelesen. Sie sind dieser Tage angenehmerweise überall anzutreffen.

Unsere Reise sollte in einem ersten Schritt nach Singapur gehen. Ein Langstreckenflug von 12 Stunden. Da es sich um einen Nachtflug handelte, war ich beim Gedanken daran immer einigermassen entspannt. Kurz vor der Abreise gestanden mir dann zwei sehr gute Freundinnen, dass sie niemals mit so kleinen Kindern einen so langen Flug erdulden wollen würden. Es würde doch sicherlich anstrengend werden. Die eine meinte, schon nur der Dreistünder auf eine Kanarische Insel sei eine Odyssee über den Wolken gewesen. Meine Beschwichtigungsversuche, dass die Kinder doch vornehmlich schlafen würden, weil ja schliesslich Nacht sei, glaubte ich mir irgendwann selbst nicht mehr.

Halbwegs nervös las ich mich durch sämtliche Artikel, die sich mit der Kinderbespassung auf Reisen beschäftigten. Ich kaufte Wimmelbücher in Kleinformat fürs Handgepäck. Bastelte ein Fädelspiel, raffte Knete und kleine Legopäckli zusammen. Ausserdem schaffte ich Rätselbücher und Stickerbögen an und packte natürlich Farbstifte und Block ins Handgepäck. Überdies lud ich euphorisch die besten Kinderapps herunter, obwohl meine Dreijährige noch nie zuvor ein Spiel auf dem iPad gemacht hat. Obendrein habe ich in einer Nacht- und Nebelaktion noch Wundertüten für die Kinder mit allerlei Süsskram fabriziert. Selbstverständlich verstaute ich auch ein regelrechtes Arsenal an Bordfutter für meine Zwerge in meinem Rucksack. Und so reisten Haferchüssi, Darvida, Guetzli, Farmerstängel, Apfelschnitze, Trockenobst und Zwieback mit uns nach Singapur, alles eher unversehrt als verzehrt.

Ich nahm mir vor, am Tag des Abfluges auch den Mittagsschlaf entsprechend zu timen, damit sie bis spät wach bleiben mögen und erst im Flugzeug einschlafen würden.

Dann kam er, der Tag der Abreise. Emilia erwachte mit Fieber. Sie war den ganzen Tag knatschig und wollte partout nicht von meinem Arm runter. Ich erledigte die letzten Dinge zuhause also quasi einhändig. Der Mittagsschlaf liess sich ob der Fieberszenerie natürlich nicht wirklich beeinflussen, sie nickte bereits um 10 Uhr morgens das erste Mal ein.

Am Flughafen angekommen, nahmen wir uns noch Zeit, den Fliegern auf der Zuschauerterrasse zuzusehen. Emilia schlief längst wieder in ihrem Buggy. Der gesamte Transfer ins Flugzeug und den Start verschlief das arme Kind. Sie war total fiebrig, was mir grosse Sorgen bereitete. Der Kummer um mein krankes Kind hielt mich während des gesamten Nachtfluges weitestgehend wach. Mit Ausnahme von einigen höchstfragmentierten, minutenlangen Schlummerphasen kann von Schlaf nicht die Rede sein. Hin und wieder verabreichte ich ihr ein fiebersenkendes Mittel, flösste ihr ein wenig Wasser ein und wechselte ihre Windel. Das heisse Kind schlief auf mir und sein leerer Sitzplatz neben mir bot mir den nötigen Spielraum für meine kreativen Positionen.

Und meine anderen Kinder? Um die musste sich natürlich mein Freund kümmern. Und ich muss sagen, er hatte einen Easy-Job. Der Bub ist ja eh längst ein kleiner Globetrotter, mit ihm war das Reisen noch nie beschwerlich. Langstreckenflüge liebt er geradezu, weil es da haufenweise Süsskram und TV ohne Ende gibt. Ein paar Stunden schlief er sogar ausgestreckt auf dem Boden, obwohl das Bordpersonal darüber nicht gerade erfreut war. Und Loulou: was soll ich sagen? Sie ist einfach eingestiegen, hat sich hingesetzt und ist eingeschlafen. Nach 8 Stunden ist sie aufgewacht und hat gefrühstückt. Danach hat sie einen kleinen Film geschaut, Büechli geguckt und mit irgendwelchen herumliegenden Gegenständen gespielt.

Ausser den Bilderbüchern musste ich kein einziges meiner Rucksack-Register ziehen. 40 Minuten vor der Landung überreichte ich den Kindern dann feierlich ihre Wundertüte. Der grosse Jubel war also wirklich das einzige Geschrei an Bord.

Ich weiss, dass das alles in komplett entgegengesetzter Richtung hätte verlaufen können. Ich habe mich ja im Grunde auf eine skurrile Dauerbespassung auf 10`000 Metern Höhe eingestellt, überspitzt formuliert. Vielleicht ist es auch das Regenschirm-Phänomen. Wenn man ihn dabei hat, regnet es garantiert nicht. Ich hätte es aber vermutlich entspannter erlebt, wenn ich meine Kinder hätte bespielen müssen und auch ein bisschen Gejaule in den Ohren gehabt hätte. Die Sorge um mein fiebriges Kind war für mich ein Mords-Kraftakt. Diese Anspannung und die durchgemachte Nacht waren mein Tribut, den ich für diese “glimpfliche” Reise entrichtet habe. Trotzdem bin ich nun einfach dankbar, dass alles gut gegangen ist und Emilia sich hier in Singapur sehr schnell vom Fieber erholt hat.

Die Quintessenz aus der ganzen Geschichte ist wohl, dass man schlicht keine Erwartungen haben soll. Man kann sich auf jedes erdenkliche Szenario vorbereiten und dann kommt es trotzdem anders, als man denkt. Viel wichtiger ist es, einfach flexibel zu bleiben, damit man das was kommt, in Ruhe handeln kann. Macht euch nicht verrückt vor einer Reise mit euren Kindern. Sicherlich macht es Sinn, sich ein bisschen vorzubereiten. Einige Dinge gegen Langeweile und ein paar Snacks einzupacken, ist nie verkehrt. Insbesondere die Wundertüte, die ich inspiriert von Isabelles Blogbeitrag, gebastelt habe, war wirklich eine tolle Idee und hat hier für grosse Bordfreude als Schlussbouquet gesorgt.

2 Kommentare bei „Langstreckenflug mit Kindern – Ein Erfahrungsbericht“

  1. <3 ich wünsche euch schöne ferien!

    1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

      danke gini – das haben wir 🙂

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