Macht Geld eigentlich glücklich?

„Geld macht nicht glücklich. Aber es ist besser, im Taxi zu weinen als in der Strassenbahn.“ Dies sagte einst Marcel Reich-Ranicki, ehemaliger Faz-Publizist.

Mein Grundgefühl ist durchaus auch dieses, dass Geld irgendwie glücklich macht. Einerseits sorgt es für eine Unruhe weniger. Wer sich dauernd Gedanken um das Haushaltsbudget machen und jede Ausgabe genauestens überlegen muss, ist oft mit diesem doch sehr negativ behafteten Gedankenspiel umsponnen und deshalb, so denke ich, unglücklicher als jemand, der seine laufenden Ausgaben ohne Sorge tätigen kann.

In der Folge ist die Gleichung einfach: Mehr Sorgen = weniger Glücksgefühl.

Darüber hinaus sind es für mich aber auch die vielen kleinen Dinge im Alltag, die für den Glücksfunken sorgen.

Wenn man die Kinder an einem nasskalten Tag auf eine heisse Schokolade ins nächste Café einladen kann beispielsweise. Oder wenn man Abends keine Lust zum Kochen hat, das Essen auch einfach mal beim Inder bestellen kann. Kleidungsstücke aus einem Fair-Fashion-Shop vermag mir ein bedeutend grösseres Glücksgefühl zu verleihen als vergleichbare Teile vom Kleiderschweden. Natürlich gehören auch Ferien in diese Kategorie. Wegfahren, es muss keine Luxus-Sause sein, ist echt einfach schön und bereichernd. Ausserdem Besuche im Kindertheater und Eintritte in Museen. Erlebnisse eben. Sie erbringen eine freudige Episode und die vergangene Zeit schenkt zusätzlich immer wieder ein wunderbares Andenken in Form von Erinnerungen.

Ich könnte hundert solcher Kleinigkeiten im Alltag aufzählen, die mich zwar etwas kosten, mir dafür aber ein wirklich hohes Gefühl der Freude einbringen. Beispielsweise meine besondere Handcreme: Jedes einzelne Mal, wenn ich meine Hände eincreme und den wunderbar frischholzigen Kräuterduft einatme, bin ich glücklicher als wenn ich eine Billigsalbe vom Aldi verwenden müsste. Das Joghurt aus dem Glas schmeckt mir wirklich besser als das aus dem Plastikbecher. Und da glaube ich wahrhaftig, dass man fürs Gefühl bezahlt. Die wunderbaren Bio-Einkäufe am Wochenmarkt und noch einen Blumenstrauss obendrauf, ich bin jedes Mal sehr sehr glücklich.

Ich gehe davon aus, dass es genau diese klitzekleinen Momente sind, die das Leben hier etwas leichter und da etwas freundlicher und darum auch schöner machen. Natürlich sind die Glücksperlen des Alltags für jeden irgendwo anders verborgen. Aber übergeordnet ist es glaub ich so ein Gefühl von „eine Wahl haben“. Auswählen können, was man wo kauft und nicht einfach immer das Preiswerteste nehmen zu müssen.

Kleinigkeiten eben, die aber durchaus nicht in jedem Familienbudget Platz haben. Wenn man sich schlicht nichts gönnen kann, im Alltag nicht ein einziges kleines Luxusgut ohne schlechtes Gewissen kaufen kann, dann ist man vermutlich und verständlicherweise schon minder gut drauf als im obigen Alltagsfilmchen.

Geld macht also glücklich. 

Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Forschung zeigt: Zwischen Jahreseinkommen und Glücksgefühl herrscht eine nicht-lineare Beziehung. Das heisst im Klartext, dass zwar tatsächlich ein Zusammenhang besteht– sehr ähnlich wie ich angenommen hatte – aber nur bis zu einem gewissen Income.

Die Glückskurve flacht aber alsbald ab. Irgendwo bei einer magischen Schwelle von ca. 120`000 Franken Jahreseinkommen pendelt sich ein Glücksgefühl ein. Dieses korreliert jedoch nicht mehr mit einem noch höheren Einkommen. Der beschriebene Zusammenhang verliert sich ab dieser magischen Grenze geradezu.

Zusammenfassend könnte man also sagen, dass der Grenznutzen abnimmt, sobald genügend Geld zur Verfügung steht, um einen gewissen Lebensstil aufrecht zu erhalten.

Diese und andere Erkenntnisse rund um die Beziehung von Glück und Einkommen hat der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin begründet. Mit dem Easterlin-Paradoxon bedeutet er, dass ein höheres Einkommen Menschen nur dann glücklicher macht, wenn diese am Existenzminimum leben. Wenn sie also mit dem „mehr“ an Geld ihr Dasein sichern, indem sie all ihre Grundbefürfnisse nach Essen, Kleidung und einem Dach über dem Kopf stillen können.

Und warum bedeutet denn mehr Geld nicht mehr Glück?

Der Mensch gewöhnt sich natürlich an alles. Mit mehr Geld gewöhnt man sich eben an einen noch geschmeidigeren Lifestyle. Die Ferien sind zwar noch feudaler, das Essen noch exklusiver und das Auto noch schneller. Aber am Schluss ist das alles eben nichts Besonderes mehr. Die Forschung hat für dieses menschliche Verhalten sogar einen Namen. Es nennt sich „hedonistische Anpassung“. Es würde dann mit zunehmendem Reichtum quasi immer schwieriger, sich auch noch an richtig kleinen Dingen zu erfreuen, so Easterlin. Ich persönlich kenne allerdings eine Handvoll Menschen, die zwar echt reich aber im Herzen noch immer bescheiden geblieben sind. Ihnen könnten meine Kinder mit einem handgepflückten Feldstrauss eine reale Freude machen und das bedeutet im Grunde etwas Gutes.

Denn für mich persönlich geht es genau darum im Leben. Den kleinen Dingen Beachtung schenken und sich über all die vielen kleinen Geschenke freuen, die einem das Leben täglich macht.

Das nachhaltigste Glücksgefühl ist mit ziemlicher Sicherheit inwändig zu finden. Wenn man die kühle frische Luft nach einem langen Sommergewitter riecht. Und wenn man in ein mit gutem Honig bestrichenes Brötchen beisst. Und wenn man zum ersten Mal des Sommers in den See hüpft oder denkt, man täte es zum letzten Mal und es dann doch noch elf weitere Male tun kann, weil der Herbst so wunderbar warm ist. Und wenn man den Kindern eine Geschichte erzählt und diese einem jedes einzelne Wort glauben, egal wie erfunden sie alle sind. Und wenn man frühmorgens Barfuss durch das kühle tauene Grass geht. Und wenn man dem Baby zusehen darf, wie es mit schlaftrunkenen Blinkern in den Milky Heaven reist. Und wenn. Und wenn. Es gibt Tausende Gründe ein wahres Glücksgefühl zu verspüren.

Und dies sind ja doch alles Dinge, die man mit Geld schlicht nicht kaufen kann.

2 Kommentare bei „Macht Geld eigentlich glücklich?“

  1. The best things in life are free! 🌿⭐️ Lauter winzigkleiner Glücke. Deine Texte gehören dazu. ❤️

    1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

      hab liebsten Dank <3 Stunden mit euch ebenso.

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