Reisen mit Kindern – ein kleines Revue

Reisen mit Kindern ist so eine Sache. Die einen lieben es, die andern verdrehen schon nur beim Gedanken daran die Augen. Wir gehören definitiv zur ersten Sorte und sind momentan an der Ostküste Malaysias in sehr angenehmer slow-Manier unterwegs. Einen Monat lassen wir uns Zeit, Ziele hatten wir im Vornherein kaum, Erwartungen schon gar nicht. Wir wussten: das kann anstrengend werden mit zwei Kleinkindern und einem Teenie, der durchaus hin und wieder an einem Stimmungstief leidet, wenn das Programm nicht vollends seinen Wünschen entspricht. Wir haben uns auf Diskussionen gefasst gemacht, auf mühselige Nächte und anstrengende Reisetage. Auf Flugzeuggeheule und Bootswimmern. Aber natürlich wussten wir auch, dass es schöne Tage geben würde, voller Zeit und Musse, voller Familienmagie. Und viele fremde Gesichter, deren Lächeln unser Herz vergolden würde. Wir wussten natürlich um den Reiseschatz, ansonsten wir uns nicht an dieses Projekt gewagt hätten.

Weniger Zeug, dafür mehr Zeit

Und wenn ich auf all die vergangenen Wochen zurückblicke, kann ich wirklich fast ausschliesslich Gutes berichten. Natürlich gibt es den ein oder anderen anstrengenden Moment. Es gibt mal Geschrei ums Essen oder Geschwisterstreit. Kennen wir aber alle auch von daheim, oder? Und sonst bin ich einfach erstaunt und erfreut gleichermassen. Es ist easy. Wirklich easy. Ich bin entspannt, hab schon zwei Bücher gelesen, das allein spricht doch Bände. Zuhause schaffe ich das niemals. Da gibt es immer so viel zu tun. Und es gibt viele Dinge. Und jedes Ding verursacht im Grunde Arbeit. Es will entweder geputzt, verräumt, gefaltet, aufgemacht, verschlossen, aufgeblasen, verarbeitet, serviert oder was auch immer werden. Mit den meisten Dingen tut man irgendwas. Und da bleibt so wenig Zeit zum Sein.

Hier ist das komplett anders. Dinge spielen hier kaum eine Rolle. Und ich glaub deshalb haben wir mehr Zeit zum sein. Ich überlege nicht, was ich anziehen soll, trage einfach fast immer dasselbe lange Kleid, bin niemals geschminkt und dusche nur noch mit Wasser. Es gibt kein „ich will heute Pizza“ und „nein ich will Pasta“, wir essen einfach Nudelsuppe. Tagtäglich. Die Mädchen haben sich Anfangs gesträubt und eine Woche lang nur weissen Reis mit Wassermelone gegessen aber mittlerweile ist ihnen das wohl doch etwas zu langweilig und sie essen einfach alles, was wir essen. Also Nudelsuppe.

Natürlich haben wir auch kaum Kinderdinge dabei. Selbst der Reisebuggy ist uns hier mehr Last als Hilfe. Die Kinder schlafen auch einfach auf einem Tuch im Sand. Spielzeug haben sie hier keines, zwei Wimmelbücher von Ali Mitgutsch und ein paar Schleichtiere bilden die Ausnahme. Wimmelbücher deshalb, weil sie selbst nach wochenlanger Beschauung noch Anguck- und Gesprächsstoff generieren. Die Schleichtiere liessen sich theoretisch im Hotel, im Pool und im Sand gleichermassen bespielen. Aber wir hätten sie ehrlichgesagt auch einfach daheim lassen können. Die Kinder suchen sich hier ihr Spielzeug in der Natur zusammen. Gestrandete Korallenteile, Steine, Sand, Wasser, Stöcke, Muscheln – mehr braucht eine glückliche Kinderseele wahrhaftig nicht. Überhaupt denk ich langsam, dass wir Erwachsenen die Komplizierten in dieser Kinderhaberei-Geschichte sind. Wir brauchen tausend Gadgets, um ein Kind gross zu bekommen, unterdessen es sich selbst einfach spielend einrichtet in der Welt. Egal wo und egal was zur Verfügung steht und was nicht.

Tage voller Familienmagie

Unseren Reisemonat, den liebe ich. Hier brauchen wir einfach nichts, um glücklich zu sein. Wir lassen uns einfach treiben und treten jeden Tag in ein neues Abenteuer. Wir geniessen die Zeit und die Ruhe und das Zusammensein und alles andere ergibt sich irgendwie immer wie durch Zauberhand. Die Kinder haben hier ihre Siebenmeilenstiefel montiert, machen extragrosse Fortschritte und wachsen jeden Tag über sich hinaus. Wir haben weder Mails noch Arbeit, keine Verabredungen, keinen Haushalt, keine Schule und keine Kita. Und ich glaub, dieses absolute Kontrastprogramm und vor allem die Zeit, die ein Eintauchen in diese andere Welt auch zulässt, sind glücksverantwortlich.

Auf der andern Seite aber liebe ich das Reisen auch deswegen, weil ich in der Fremde die ganzen Vorzüge meiner Heimat wieder total schätzen lerne. Ich liebe den Jahreszeitenwechsel in der Schweiz. Ich liebe es, dass es im Sommer spätabends noch hell und im Winter um 17 Uhr dunkle Nacht ist. Ich liebe den wunderbaren Milchkaffee am Morgen, das feine Brot vom Becker ums Eck, die frische Milch, den Sprung in den sauberen See, das kühle Glas Weisswein mit meinen Freundinnen. Auf all das und noch tausend andere kleine Momente freue ich mich sehr.

In unserem Reisemonat bin ich so sehr im hier und jetzt wie nie unterm Jahr. Diesen Glückszustand – das verspreche ich mir – möchte ich mit nach Hause nehmen. Um ihn zumindest hin und wieder aus meinem Reiseschatz zaubern zu können und ihn ganz tief einzuatmen.

6 Kommentare bei „Reisen mit Kindern – ein kleines Revue“

  1. Schön beschrieben – genau so fühlte ich mich in den zwei Wochen Campingferien mit meiner Familie <3 Ich hatte ein wenig Mühe,wieder zu Hause anzukommen,so wunderschön war es einfach Zeit zu haben zum glücklich sein!

    1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

      Liebe Nicole
      Ja dieses wunderbare Gefühl vom “nichts tun müssen” und “nichts brauchen” als einfach nur Zeit.. das ist schon echt selten im Alltag. Hoffentlich können wir es ein bisschen mit unters Jahr nehmen.
      Und ich glaub dir sofort, dass es dir etwas Mühe machte, wieder daheim anzukommen.. bin gespannt, wie das wird. wo wart ihr denn campen?

      1. Wir waren in der Schweiz,in Österreich und Süddeutschland (Allgäu) – es war wunderschön 🙂

        1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

          Hmmm… 🙂 ja, klingt grad so!

  2. Wooow… beim Lesen deines Reiseberichts bekommt man echt Fernweh. Geniesst diese wundervolle Zeit. Wir freuen uns aber darauf, sehr bald mit euch zu spielen und Kaffee zu trinken 😉

    1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

      Liebe Chrisi

      Wie ich euch kenne, lässt eure nächste Reise auch nicht allzu lange auf sich warten 🙂 Und auf daheim und den feinen Kaffee und die tollen Play&Talk-dates freu ich mich imfall ebenso!

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