Simplify christmas: ein Wichtel für einfache Adventstage

Führt sich dieses ganze Advents-Brimborium, das wir für unsere Kinder alljährlich veranstalten irgendwann selbst ad absurdum? Immer mehr, immer magischer, immer individueller muss es sein. Die 72 Adventskalender-Päckchen verpackt Mutti in diversen Nachtschichten liebevoll in handgeschöpftes Blütenpapier und ob ihrer heimischen Auslage an Weihnachtsgebäck würde sich der Becker ums Eck glatt erhängen vor Neid.

Simplify christmas: ein Wichtel für einfache Adventstage

Selbstredend bin ich kein Deut besser, auch ich will ganz viel Dezembermagie für meine Zwerge. Den Advent liebe ich und feiere den ganzen Dezember hindurch mit viel Pipapo. Aber: ich spüre auch, wie mir der Geschenkewahnsinn zu viel wird. Wie ich mich danach sehne, dass hier weniger Zeug rumliegt. Irgendwann dieser Tage – als Fräulein Winter und ich die offenen Briefe an Herrn Mond mit unseren Gedanken zum Advent füllten – stolperte ich digital zum ersten Mal bewusst über die Idee der Wichteltüre. Der Plan dahinter ist denkbar einfach. Und natürlich liest man auch schon seit einigen Jahren davon. Aber: Ihr Potential habe ich irgendwie erst heuer entdeckt.

Ich glaube ehrlich, dass ein Wichtel die ganze Adventszeit völlig zu entspannen vermag

Die Idee: Bastle eine kleine Tür. Du kannst das Material verwenden, was du grad im Haus hast. Eisstängel, Papierstrohhalme, Goldfolie, Karton, Maskingtape, ein Stück Holz, kleine Äste und ein bisschen Moos aus dem Garten. Als Türknauf fungiert eine Filzkugel, ein Chrälleli, eine Holzmurmel, ein bisschen Fimo, auch hier: schau einfach, was du grad da hast. Für die krassen Bastlerinnen unter euch: Ihr könnt euch richtig austoben und noch Besen, Bänkli, Treppe, Briefkasten, Leiter, Klingel, etc. basteln. Man kann diese hübschen Mini-Sachen aber auch in grösseren Bastelläden kriegen.

Hier findet ihr ganz viele Ideen, wie so eine Wichteltüre aussehen könnte.

Etwas im Voraus wird den Kindern anhand einer Geschichte Glauben gemacht, dass jede Familie einen Wichtel hätte. Er würde manchmal helfen, gelegentlich auch Streiche spielen, was ein Familienwichtel halt so macht. Er sei aber natürlich sehr scheu und deshalb würde man den niemals zu sehen kriegen. Einige wenige Kinder jedoch – nämlich diejenigen, die eben ganz fest an dessen Existenz glauben – würden immerhin einmal im Jahr sein Türchen finden können. Und zwar zur Weihnachtszeit.

 

Alternierend zur nordischen Wichtelgeschichte mit der Tür, kann man den Auftrag “simplify christmas” natürlich auch an den “elf on the shelf” delegieren, dem amerikanischen Pendant. Anyworkingmom hat hier darüber geschrieben.

Nichts muss. Alles kann.

Der grosse Vorteil: der Wichtel kommt, wann immer er will. Er muss nicht genau am 1. Dezember aufkreuzen, ihr könnt ihn auch getrost erst am Nikolaustag einziehen lassen oder sogar erst zu Lucia. Stressfaktor Nummer eins, dass nämlich alles zum Auftakt des Dezembers bereit sein muss, fällt also schon mal aus. Vorteil Nummer zwei: Der Wichtel kann alles und muss nichts. Er muss nicht täglich ein Geschenk bringen, sondern kann die Kinder auch einfach mal zwei Tage ohne Wichtelschmeichelei in Geduld üben lassen.

 

Er kann den Kindern aber auch kleine Rätsel, Geschichten, Rezepte oder Bastelanleitungen vermachen. Und wenn das ohrenbetäubende, grässlich leuchtende Plastikspielzeug mal so richtig auf den Sender geht, war`s wohl der Wichtel, der das verschenkt versteckt hat. Die Wichtelgeschichte lässt sich also höchstindividuell ausgestalten, wie ihr seht. Ganz nach Vorlieben der Familie. Mit einem Hauch Glück bringt er natürlich auch mal Geschenke und Süssigkeiten mit. Und wetten, dass selbst kleine Aufträge, die vom Wichtel verfasst wurden, in freudiger Erwartung erledigt werden? Okay, nein. Das glaub ich mir jetzt selbst nicht.

 

Die Wichtelgeschichte entspricht vermutlich besonders Kindern im Alter von ca. 3-7 Jahren. Man spricht in der Zeit von einer „magischen Phase“, wo vollkommen surreale Geschichten geglaubt und natürlich oft geliebt werden. Bei mir ist eines unter 3 und das andere schon über 10 und es funktioniert ebenfalls grandios. Das grosse Kind weiss natürlich um die Lüge, lässt sich aber immer noch zu gern verzaubern und dichtet auch gerne frei hinzu, um seine Schwestern in ihrem Wichtelglauben zu bestärken.

 

In diesem Sinne wünsche ich magische und ganz behagliche Adventstage.

 

Bild via unsplash von Brigitta Schneiter. Merci vielmol.

 

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