Sustainability-Fan in Teilzeit

Ich bin ein Sustainability-Fan! Klares Ding. Emel dann, wenn es gerade passt. Also quasi Teilzeitangestellt im Nachhaltigkeitssektor. Bio-Gemüse vom lokalen Markt? Check. Keine Plastiksäckli mehr? Check. Ökologisches Waschmittel? Check.

Aber dann im Sommer einen Monat nach Malaysia fliegen und damit den ökologischen Fussabdruck komplett und auf ewig zur Sau machen? Check.

Ach, diese liebe Nachhaltigkeit. Oft irgendwie machbar, aber manchmal gibt’s bei uns eben auch Todsünden. Wir putzen die Zähne mit Bambusbürsteli aber unverpackt einzukaufen gurkt mich dann wieder an, ehrlichgesagt. Weil das Geschäft nämlich hundert verschiedene Cranberrys aber keine Rosinen führt. Und tausend Tees aber keinen Kaffee. Und fünfzig verschiedene Sonnenblumenkerne aber keinen Kakao. Ist mir einfach zu mühsam. Ich schaffs ja meist nicht mal zu Coop und lass mir stattdessen alles liefern, was ja auch echt unökologisch ist.

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

Das Ding mit der Nachhaltigkeit fühlt sich gut an. Wir stülpen dieser Tage gern und oft und überall das Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit über. Kleidung, Reisen, Essen, Spielzeug, Bildung, in allen Bereichen finden wir das Sustainability-Label. Und es gibt uns ein gutes Gefühl, wir schlüpfen gern in ein nachhaltig produziertes Kleid. Aber leider ist das Kleid nicht immer ganz alltagstauglich, zumindest bei uns nicht. Vermutlich sind wir zu egoistisch. Wir essen gern den hiesigen Marktsalat, fair und lokal – ganz klar! Aber schmeisssen genausogern Avocado mit in die Schüssel. Mega unfair sogar. An Regentagen fabriziere ich in der Küche mit meinen Zwergen gesunde Öko-Fairtrade-Schoko-Kugeln mit Datteln. Come on, jeder weiss, dass man die süsse Naturpraline hierzulande eigentlich nicht verspeisen sollte. Ich tu es trotzdem. Weil ich sie liebe. Und sie gesund sind.

Und weil ich ein Arschloch bin.

Denn ich trage gern meinen veganen fair produzierten Rucksack am Rücken. Und am Füdli die billigen Unterhosen von H&M. Ist ja ein Basic. Sieht ja niemand. Die passen halt so gut. Ich kaufe viel secondhand für die Kinder, weil es nachhaltig ist. Aber sie dürfen sich auch mal was aussuchen. Und wisst ihr was? Die schauen natürlich NICHT auf Nachhaltigkeit. Denen gefällt der grausamste billigste Schrott – Hauptsache pink. Tja, was will man da tun? Es sind doch Kinder, die dürfen sich doch auch mal was raussuchen. Man will ihnen ja schliesslich mal ne Freude machen.

Hier scheiden sich die Geister.

Die Menschen, die schlicht ohne Nachzudenken ständig irgendwelchen Bullshit zusammenkaufen weils billig ist, sind die einen. Vielleicht wissen sie nicht sehr viel über das Thema Nachhaltigkeit. Vielleicht ist ihnen das, was sie wissen, aber auch einfach komplett egal. Die andern sind diejenigen, die wirklich nachhaltig leben. Sie versuchen es nicht, sie TUN es. Das bedeutet gewiss Verzicht. Aber das ist es ihnen einfach wert.

Und ich bin also ungefähr „stuck in the middle“. Denn: ich weiss darum und gebe mir oft Mühe und genauso oft geb ich mir aber auch einfach keine Mühe, weils grad so fein ist. Oder einfach. Oder schön.

Es ist viel im Wandel, viel im Tun. Rundherum und innendrin. Ich brauche aber mehr Zeit. Und in Zukunft werde ich mein Sustainability-Pensum Schritt für Schritt aufstocken. Das ist mein Vorsatz mitten im Jahr.

Wie geht es euch damit? Mich interessieren möglichst viele Meinungen zu dem Thema. Was denkt ihr darüber? Was tut ihr bewusst und was eben nicht?

 

 

 

 

2 Kommentare bei „Sustainability-Fan in Teilzeit“

  1. Zum jetzigen Zeitpunkt der Nachhaltigkeitsentwicklung ist es schon auch eine finanzielle Frage, ob man es sich leisten kann, konsequent nachhaltig zu leben. Bei einem Gehalt von 7000.- im Monat und einer 4 köpfigen Familie die davon lebt, bleibt ergo nicht ein grosses Budget für die Nachhaltigkeit im Grossen übrig. Doch ist auch da das Bewusstsein vorhanden, sind es doch die vielen kleinen Beiträge die zum grossen Ganzen führen können? Jedem seinen Beitrag den er leisten vermag, so ist die Nachkommenschaft sensibilisiert und kann die Wende weiter voranführen, vielleicht sogar in grösseren Schritten und Umfang.

    1. kidsoverthemoon sagt: Antworten

      Liebe Marion, so ist es! Gewisse Dinge mit dem Sustainability-Brand sind sicher bedeutend teurer als konventionelle Sachen. Auch der Markteinkauf und der Besuch im Reformhaus haben einfach nicht in jedem Familienbudget Platz. Dafür fliegt man vielleicht mit Low-Budget auch nicht um die halbe Welt und konsumiert womöglich weniger.

      Obwohl einige dann statt Secondhandkleidung für die Kinder einfach neue Billigware einkaufen und damit sie nicht auf eine Flugreise verzichten müssen, auch noch Billigfleisch aus Brasilien. Salopp gesagt.

      Es gibt Tausend Wege und Wendungen. Mit dir darüber zu philosophieren, ist immer wieder spannend. Unserer nächsten Martini-Philosophiestunde blicke ich mit Freuden entgegen 🙂

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